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Die Landtagswahl 2026 wird wichtige Entscheidungen für die Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns prägen. Themen wie Infrastruktur, Digitalisierung, Energiewende und Fachkräftesicherung bestimmen, wie leistungsfähig und zukunftsfest sich das Land entwickelt. Mit den Wahlprüfsteinen zur Landtagswahl 2026 bringt der Ingenieurrat Mecklenburg-Vorpommern, bestehend aus neun zusammengeschlossenen Ingenieurverbänden, -vereinen und der Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern, die fachliche Perspektive des Berufsstandes in den politischen Dialog ein. Als Zusammenschluss der maßgeblichen Ingenieurorganisationen des Landes richtet er Fragen zu zentralen Herausforderungen für Planung, Bauen und Infrastruktur an alle zurzeit im Landtag vertretenden Parteien sowie aussichtsreichen Kandidaten für den Einzug in den zu wählenden Landtag. Dem Einstimmigkeitsbeschluss des Ingenieurrates folgend trägt die Ingenieurkammer M-V die Positionen inhaltlich und umfänglich mit.

Wahlprüfsteine des Ingenieurrates M-V
zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2026
Der Ingenieurrat Mecklenburg-Vorpommern vertritt die Ingenieurorganisationen in Mecklenburg-Vorpommern und versteht sich als berufsständische Vertretung aller Ingenieurinnen und Ingenieure in unserem Land. Ingenieurinnen und Ingenieure tragen mit ihrem Fleiß, ihrem Fachwissen und ihrer Innovationskraft maßgeblich zu einer prosperierenden Wirtschaft und einer intakten Umwelt in Mecklenburg-Vorpommern bei. Unser Berufsstand ist gewillt, diese „Erfolgsgeschichte“ fortzusetzen. Damit er jedoch sein wirtschaftliches Potenzial voll entfalten kann, müssen aus unserer Sicht die nachfolgenden Themen durch kluge Entscheidungen vorangebracht werden.
- In den letzten Jahrzehnten haben die Berufskammern viele originäre Aufgaben als unverzichtbare Partner der (Bau-)Verwaltung übernommen. Um eine Finanzierung und damit kontinuierliche Erledigung dieser Aufgaben zu gewährleisten, sind mit Blick auf den Wandel in der Berufsausübung Regelungen für weitere Pflichtmitgliedschaften in der Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern für alle am Bau beteiligten Ingenieure im Architekten- und Ingenieurgesetz Mecklenburg-Vorpommern einzuführen, sofern nicht bereits eine Mitgliedschaft in einer anderen Ingenieurkammer oder Architektenkammer besteht. Des Weiteren sind Planungsgesellschaften unabhängig von einer geschützten Berufsbezeichnung durch eine Pflichtmitgliedschaft in den Berufskammern in Mecklenburg-Vorpommern einzubinden. Außerdem sind die im Gesetz bereits geregelten Berufsgesellschaften durch eine Pflichtmitgliedschaft stärker in die Kammern einzubinden.
- Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern muss sich im Bund und im Land für eine mittelstandsfreundliche Vergabepraxis einsetzen. Wir fordern, dass eine Vergabe nach Fachlosen verbindlich bleibt und Ausnahmetatbestände nicht aufgeweicht werden.
- Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern muss sich im Bund deutlich für eine sofortige Novellierung der HOAI einsetzen. Mit den beiden Gutachten zur Novellierung der HOAI lagen bereits Ende 2024 alle erforderlichen Grundlagen für den Abschluss des Prozesses vor. Die Ingenieure und Architekten arbeiten nach einer inhaltlich und honorargrößenmäßig veralteten Leistungs- und Vergütungsregelung aus dem Jahre 2013. Auf dieser Grundlage ist eine Realisierung der Zielstellungen zur Umsetzung der Infrastrukturmaßnahmen aus dem Sondervermögen nicht möglich, denn die dafür erforderlichen Fachingenieure und Architekten können nur mit auskömmlichen Honoraren finanziert werden.
- Die Bau- und Planungsbranche hat großes Digitalisierungspotenzial (Stichworte: Digitaler Bauantrag, ELBA, XBau Standard, Building Information Modeling - BIM). Mecklenburg-Vorpommern muss endlich seiner bundesweiten Vorreiterrolle gerecht werden und das Baugenehmigungsverfahren mit den nachgelagerten Fachverfahren auf eine einheitliche Grundlage stellen und vollständig digital umsetzen. Mit einem Pilotprojekt „Digitalisierung der Bauverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern“ muss der richtige Weg zur Einführung der BIM-Methodik eingeschlagen werden. Wir fordern eine flächendeckende Umsetzung, um Planungsprozesse zu beschleunigen.
- Die kommunale Wärmeplanung ist eine Frage der Daseinsvorsorge und eine Aufgabe, die mit Ingenieurverstand gelöst werden kann und sollte. Wir fordern die zügige Umsetzung einer landesrechtlichen Regelung unter Einbeziehung der im Ingenieurrat Mecklenburg-Vorpommern gebündelten Fachkompetenzen.
- Im Sinne des Prinzips des lebenslangen Lernens muss die Anerkennung inländischer und ausländischer Berufsqualifikationen vereinfacht werden. Zudem fordern wir eine Verschlankung der Verwaltung, die Ingenieurstellen bindet und somit den Fachkräftemangel in der Wirtschaft verstärkt. Grundlage muss eine landesweite Erhebung in den Verwaltungen aller Ressorts sein, um die Bedarfe an Ingenieurfachkräften im Land zeitraumbezogen zu identifizieren und mit geeigneten Maßnahmen die landeseigenen Kapazitäten der Ingenieurausbildung noch besser zu nutzen.
- In Deutschland muss ein Beratender Ingenieur seine Unabhängigkeit von gewerblichen Interessen sowie fachliche Expertise vor einem unabhängigen Gremium nachweisen. Wir fordern die Einführung des Beratenden Ingenieurs als Eignungskriterium bei Vergabeleistungen der öffentlichen Hand.
- Wir fordern eine leistungsfähige, gut erhaltene Verkehrsinfrastruktur als Rückgrat von Wirtschaft und Wohlstand. Eine dauerhaft hohe Investitionsquote ist sicherzustellen; vorhandene Steuereinnahmen sind prioritär für den Erhalt, die Sanierung und den bedarfsgerechten Ausbau der bestehenden Infrastruktur auf allen Ebenen von Bund, Land, Kreisen und Kommunen einzusetzen. Verlässliche Rahmenbedingungen erfordern die rechtzeitige Verabschiedung der Haushalte im jeweiligen Vorjahr. Planungs- und Genehmigungsverfahren sind deutlich zu vereinfachen und zu beschleunigen. Ersatzneubauten müssen erleichtert und gegenüber langwierigen Einzelprüfungen privilegiert werden, um dringend notwendige Maßnahmen ohne Verzögerung umsetzen zu können. Der Fokus liegt auf dem Erhalt der vorhandenen Verkehrsinfrastruktur sowie der konsequenten Umsetzung bestehender Straßen- und Wegeplanungen. Gleichzeitig ist die Verknüpfung von Straße und Schiene gezielt auszubauen, um effiziente Verkehrsstrukturen zu erhalten. Das Sondervermögen ist strikt zweckgebunden und zielgerichtet für Infrastrukturmaßnahmen einzusetzen.
- Die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen erfordern einen immer höheren technischen Aufwand um den Wohlstand der Bevölkerung zu sichern. Wir fordern, dass die Ausbildung an den Hochschulen für die erforderlichen Ingenieurleistungen im notwendigen Maß verbessert werden. Es ist davon auszugehen, dass Mecklenburg-Vorpommern einen hohen einstelligen Millionenbetrag jedes Jahr dafür investieren muss, wenn die Arbeit im Land bleiben und nicht von Unternehmen außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns erbracht werden soll.
- Die Baukultur ist auch für die Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern identitätsstiftend. Im Vergleich der Bundesländer gibt Mecklenburg-Vorpommern derzeit am wenigsten für Baukultur aus. Der Landesbaupreis wurde aus finanziellen Gründen 2022 das letzte Mal vergeben. Wir fordern, dass der Landesbaupreis wieder ausgelobt wird und das Land sich daran auch finanziell angemessen beteiligt.