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Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst Doberaner Münster

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Feierstunde zur Vergabe der Auszeichnung

Am 23.04.26 wurde das Münster Bad Doberan als "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland 2026" ausgezeichnet.

Gerade in Mecklenburg-Vorpommern ist die Backsteingotik ein prägendes baukulturelles Merkmal. Sie steht für eine Bauweise, die aus den regional verfügbaren Materialien heraus eine eigene, unverwechselbare Formensprache entwickelt hat. Das Doberaner Münster ist hierfür ein herausragendes Beispiel: Es verbindet architektonische Schönheit mit beeindruckender konstruktiver Ingenieurkunst. Mit der Auszeichnung würdigen wir daher nicht nur ein einzelnes Bauwerk, sondern auch die Backsteingotik als bedeutenden Teil unserer Baukultur und Identität im Norden Deutschlands. Sie zeigt, wie innovativ und präzise Ingenieurwissen schon damals eingesetzt wurde – unter ganz anderen technischen Voraussetzungen als heute. Für Mecklenburg-Vorpommern bedeutet diese Auszeichnung zugleich eine besondere Anerkennung seiner reichen Baugeschichte.

Doberaner Münster
Ein Pionierbau geprägt durch den Backstein

Pionierbau der Backsteingotik: Übertragung eines Systems

Das Münster ist besonders, weil hier erstmals das für Naturstein entwickelte gotische Konstruktionssystem erfolgreich auf Backstein übertragen wurde. Gotische Bauweise (mit Strebebögen, hohen Gewölben etc.) entstand ursprünglich im Natursteinbau. In Doberan wurde dieses System innovativ an die völlig anderen Eigenschaften von Ziegeln angepasst. Das wird ausdrücklich als „Pionierbau“ bezeichnet. Das unterscheidet das Münster grundlegend von anderen Kirchen gleichen Stils, die entweder noch im Naturstein gebaut wurden oder weniger innovative Anpassungen zeigen.

Doberaner Münster Innenraum Besucher
Zuganker sind im Dachraum deutlich zu sehen

Innovatives statisches System (Zuganker als Alternativsystem)

Ein besonders ungewöhnliches Merkmal ist der systematische Einsatz von Zugankern: Diese bilden ein sekundäres bzw. alternatives Tragwerk zu den klassischen gotischen Drucksystemen (Strebebögen und Pfeiler). Jedes Gewölbe und sogar Strebebögen wurden zusätzlich mit Zugankern gesichert. Teilweise sind Strebepfeiler mehr „Attrappen“ als statisch notwendig, da die eigentliche Lastabtragung anders funktioniert. Das ist eine Abweichung vom „klassischen“ gotischen System und macht das Bauwerk technisch einzigartig.

Eigenwillige und ungewöhnliche Raumgestaltung
Besonders auffällig ist die ungewöhnliche Querhauslösung: Statt eines offenen Querschiffs gibt es abgetrennte, zentralbauartige Hallen. Diese besitzen jeweils einen zentralen Pfeiler mit schirmartig auffächerndem Gewölbe. Diese Gestaltung weicht deutlich von typischen gotischen Kirchen ab.

„Aus einem Guss“ geplantes und gebautes Großprojekt
Der Bau wurde nahezu ohne größere Konzeptänderungen durchgezogen. Die Bauphasen zeigen eine sehr klare, konsistente Planung. Das ist für mittelalterliche Großkirchen eher ungewöhnlich, da viele andere Bauten über lange Zeiträume verändert wurden.

Weitere technische Besonderheiten
Innovatives System für große Fenster (Holzquerträger als Ergänzung zum Maßwerk) Hochentwickeltes Dachwerk mit austauschbaren Bauteilen (präzise Vorfertigung) Diese Details zeigen den außergewöhnlichen ingenieurtechnischen Anspruch.

Sonstiges:
Kulturhistorisch herausragend: Bekannt und touristische beworben wird das Münster für seine einzigartig gut erhaltene originale Ausstattung:
Große Teile der Erstausstattung (z. B. Hochaltar, Sakramentshaus) sind erhalten. Keine andere Zisterzienser-Klosterkirche besitzt einen vergleichbaren Bestand. Das macht das Münster nicht nur architektonisch, sondern auch kulturhistorisch außergewöhnlich.

Fazit:
Das Doberaner Münster zeichnet sich baulich gegenüber anderen Kirchen gleichen Baustils vor allem durch seinen experimentellen und innovativen Charakter aus:
➔Übertragung der Gotik auf Backstein (Pionierleistung)
➔eigenständige statische Lösungen (Zuganker-System)
➔ungewöhnliche Raumformen
➔hohe planerische Geschlossenheit

Insgesamt ist es nicht nur eine gotische Kirche, sondern ein technisch innovatives Schlüsselbauwerk, das neue Maßstäbe für die Backsteingotik setzte.

Cover Festschrift Doberaner Münster
Zur Auszeichnung wird eine eigene Festschrift herausgegen

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Manuela Kuhlmann

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